E-Mobilität

E-Auto Ladeverluste Rechner

Es ist das offene Geheimnis der Elektromobilität, über das Verkäufer im Autohaus nur ungern sprechen: Zwischen deinem Stromzähler im Keller und dem Akku in deinem Fahrzeugboden klafft eine Lücke. Eine finanzielle Lücke. Du bezahlst für 100 Kilowattstunden, aber in deinem Auto kommen oft nur 85 oder 90 an. Wo ist der Rest? Er ist verpufft. In Wärme umgewandelt durch den On-Board-Charger, gefressen von der Bordelektronik, die während des Ladens wach bleibt, oder verloren im Widerstand der Leitungen. Dieser Rechner ist kein Spielzeug – er ist ein forensisches Werkzeug für deine Stromrechnung. Wir decken auf, wie viel Geld du durch ineffizientes Laden wirklich verbrennst und warum "Langsames Laden ist gut für den Akku" finanziell oft eine Lüge ist.

Interaktiver Rechner

Die Formel

Ladeverlust (kWh) = Zählerwert_Wallbox - (Geladene_Energie_Akku / Wirkungsgrad_OBC) + Standby_Verbrauch * Ladedauer

Warum ist das wichtig?

Nutze dieses Tool, um die Diskrepanz zwischen deinem Bordcomputer und deiner Stromrechnung zu verstehen. Finde den "Sweetspot" deiner Ladeleistung (oft bei ca. 11kW) und vermeide die teure "Schnarchlade-Falle" an der Haushaltssteckdose.

Beispielrechnung

Realitäts-Check: Ein VW ID.3 lädt 50 kWh nach. Fall A (11 kW Wallbox): Ladedauer ca. 5h, Verlust ca. 5-7 kWh (Wärme & System). Kostenverlust ca. 2,50€. Fall B (2,3 kW Steckdose): Ladedauer ca. 24h. Das Auto-System (Verbrauch ca. 250 Watt) läuft 24h mit! Verlust durch Standby allein 6 kWh + Wandlungsverluste = über 10-12 kWh weg. Differenz: Das Laden an der Steckdose kostet dich hier fast das Doppelte an "Phantomstrom".

Anleitung & Deep Dive: Warum deine Stromrechnung nicht lügt (aber dein Auto schon)

Stell dir vor, du fährst an eine Tankstelle. Du zapfst 50 Liter Benzin, bezahlst auch für 50 Liter, aber durch ein Loch im Schlauch landen nur 42 Liter im Tank. Auf dem Boden bildet sich eine Pfütze. Du wärst zu Recht wütend.

Beim Elektroauto passiert physikalisch genau das Gleiche, jeden Tag, in deiner Garage. Nur gibt es keine Pfütze, sondern Wärme. Und es gibt kein Loch, sondern Ineffizienz. Viele E-Auto-Besitzer fallen aus allen Wolken, wenn sie zum ersten Mal einen separaten Stromzähler vor ihre Wallbox installieren. Plötzlich stellen sie fest: "Hey, mein Auto sagt, es hat 15 kWh verbraucht, aber der Zähler sagt, ich habe 18 kWh geliefert!"

Dieser Ladeverluste-Rechner ist dazu da, diese "Phantom-Kilowattstunden" sichtbar zu machen. Wir analysieren nicht nur, wie viel du verlierst, sondern warum. Denn nur wer das Warum versteht, kann sein Ladeverhalten anpassen und über die Lebensdauer des Autos tausende Euro sparen.

Die Anatomie des Verlusts: Wo bleibt der Strom?

Um die Ergebnisse des Rechners zu interpretieren, müssen wir einen Blick unter die Haube werfen. Der Weg vom Hausanschluss bis in die Lithium-Ionen-Zelle ist steinig. Hier lauern die drei großen Energiediebe:

1. Der Umwandler (OBC)

Dein Hausnetz liefert Wechselstrom (AC). Dein Akku speichert Gleichstrom (DC). Der "On-Board-Charger" im Auto muss das umwandeln. Das ist harte Arbeit für Halbleiter. Dabei entsteht Wärme.

Verlust-Anteil: ca. 5-10%

2. Das Wachkoma (System)

Während des Ladens schläft das Auto nicht. Batteriemanagement (BMS), Steuergeräte, Displays und Wasserpumpen laufen. Das sind 150 bis 400 Watt Dauerlast.

Verlust-Anteil: Zeitabhängig! (Gefährlich bei Schuko-Ladung)

3. Die Leitung (Physik)

Leitungen, Stecker und Kontakte haben Widerstände. Wo Strom fließt, entsteht Wärme ($I^2 cdot R$). Auch der Akku selbst hat einen Innenwiderstand.

Verlust-Anteil: ca. 1-3%

Der mathematische Hintergrund: Formeln & Fakten

Wir nutzen keine Pauschalwerte, sondern nähern uns der physikalischen Realität. Für Schüler, Studenten und Technik-Interessierte hier die Formelwerkstatt:

1. Der Wirkungsgrad ($eta$)

Der Wirkungsgrad ist das Verhältnis von nutzbarer Energie zu zugeführter Energie.

$$ eta = rac{P_{ab}}{P_{zu}} $$
Wobei $P_{ab}$ die Leistung ist, die im Akku ankommt, und $P_{zu}$ die Leistung aus der Wallbox.

2. Die Gesamtkosten-Formel mit Zeitfaktor

Das Kritische ist, dass Verluste oft zeitabhängig sind (konstante Nebenverbraucher). Daher ist die Ladedauer $t$ eine entscheidende Variable.

E_Verlust = (E_Akku / eta_{OBC}) - E_Akku + (P_Standby * t_Ladezeit)

Beispiel: Die "Schnarchlade"-Katastrophe

Lass uns mathematisch beweisen, warum die normale Steckdose (230V, 10A = 2,3 kW) eine Kostenfalle ist.
Annahme: Du willst 50 kWh in den Akku laden. Das Auto verbraucht im Ladebetrieb 300 Watt (0,3 kW) für Steuergeräte.

Szenario A: Wallbox (11 kW)
Ladeleistung Netto: ca. 10 kW (bei gutem Wirkungsgrad)
Ladedauer: $50 / 10 = 5$ Stunden.
System-Verlust: $5h * 0,3kW = mathbf{1,5 kWh}$
Hier sind die Nebenverluste minimal.
Szenario B: Steckdose (2,3 kW)
Ladeleistung Netto: ca. 2,0 kW
Ladedauer: $50 / 2,0 = 25$ Stunden.
System-Verlust: $25h * 0,3kW = mathbf{7,5 kWh}$
Du hast 6 kWh mehr verschwendet, nur weil das Laden länger dauerte! Bei 40 Cent/kWh sind das 2,40€ pro Ladung verbrannt.

Realitäts-Check: Was dich die Physik wirklich kostet

Als Experten für Web-Entwicklung und Datenanalyse lieben wir es, "Best Case"-Szenarien der Hersteller zu zerlegen. Hier sind Faktoren, die deinen Verlust in der Praxis noch weiter erhöhen.

Der Winter-Faktor (Coldgating)

Lithium-Ionen-Akkus sind Diven. Sie mögen es kuschelig warm (20-30°C). Wenn du im Winter bei -5°C nach Hause kommst und ansteckst, passiert oft Folgendes: Der Strom fließt erstmal NICHT in den Akku. Er fließt in ein Heizelement (PTC-Heizer), um den Akku auf Ladetemperatur zu bringen.
Der Effekt: Du kannst teilweise 30 Minuten lang mit 11 kW laden, ohne dass der Akkustand (SoC) auch nur um 1% steigt. Du verheizt in dieser Zeit 5,5 kWh Strom. Das sind Ladeverluste von 100% in der Aufwärmphase.
Tipp: Lade direkt nach der Fahrt, solange der Akku noch warm ist!

Das "Vampire Drain" (Stehverluste)

Streng genommen kein Ladeverlust, aber relevant für die Gesamteffizienz: Features wie der "Wächter-Modus" (Sentry Mode) bei Tesla oder ständige "Ping"-Abfragen per App verhindern, dass das Auto in den Tiefschlaf fällt. Das kann 200-300 Watt Dauerleistung ziehen – 24 Stunden am Tag. Das sind Verluste, die dein Lade-Ergebnis verfälschen, wenn du am nächsten Morgen auf den Zähler schaust.

Die 1-Phasen-Falle

Manche Autos (ältere Hybride) oder falsch eingestellte Wallboxen laden nur auf einer Phase. Viele On-Board-Charger sind aber für 3 Phasen optimiert. Nutzt du sie nur einphasig bei geringer Ampere-Zahl, arbeiten sie in einem extrem ineffizienten Lastbereich. Der Wirkungsgrad kann hier auf unter 80% fallen. Du heizt deine Garage dann effektiv mit Strom, statt Auto zu fahren.

🔗 Optimiere dein Gesamtsystem

Der Ladeverlust ist nur ein Rädchen im Getriebe. Um deine Mobilitätskosten wirklich zu senken, musst du das "Big Picture" sehen. Hier sind die Werkzeuge dazu:

Häufige Fragen (FAQ)

Warum zeigt mein Auto einen Verbrauch von 16 kWh an, aber ich zahle für 20 kWh?

Das ist die 'Bordcomputer-Lüge'. Das Auto zeigt in der Regel nur den Fahrverbrauch an, also die Energie, die aus dem Akku in den Elektromotor fließt. Es ignoriert komplett, was beim Ladevorgang VOR dem Akku passiert. Die AC/DC-Umwandlung (Wechselstrom aus dem Netz zu Gleichstrom für den Akku) erzeugt Wärme. Zudem laufen während des Ladens Pumpen für die Kühlung und Steuergeräte. Diese Energie zahlst du am Zähler, aber sie taucht nie im 'Verbrauch ab Reset' auf.

Ist langsames Laden (Schuko) schonender und effizienter?

Schonender für den Akku? Vielleicht minimal. Effizienter? Absolut NEIN. Das ist ein fataler Irrtum. Jedes E-Auto hat einen 'Grundumsatz' (Baseload) während es lädt (Bordcomputer, Batteriemanagement, Wasserpumpen). Das sind oft 150 bis 400 Watt. Wenn du sehr langsam lädst (z.B. mit 2,3 kW an der Steckdose), dauert der Ladevorgang ewig (z.B. 20 Stunden). Das bedeutet: 20 Stunden lang verbraucht das Auto 300 Watt nur 'um wach zu sein'. Das sind 6 kWh reiner Verlust nur für den Betrieb der Elektronik. Lädst du mit 11 kW, dauert es nur 4 Stunden. Die Elektronik läuft nur 4 Stunden. Fazit: 'Schnarchladen' vernichtet Geld.

Welchen Wirkungsgrad hat ein typischer On-Board-Charger (OBC)?

Moderne On-Board-Charger liegen im Bestpunkt (Sweetspot) meist zwischen 90% und 94%. Das bedeutet, 6% bis 10% gehen allein physikalisch bei der Umwandlung von Wechselstrom in Gleichstrom als Wärme verloren. Fällt die Ladeleistung aber ab (z.B. beim einphasigen Laden oder am Ende der Ladekurve beim Balancing), kann der Wirkungsgrad dramatisch einbrechen, teilweise auf unter 75%. Besonders ältere Modelle (z.B. frühe Renault Zoe) waren bei niedrigen Ladeleistungen berüchtigt für schlechte Wirkungsgrade.

Spielt die Kabellänge oder der Querschnitt eine Rolle?

Physikalisch ja, finanziell ist es meist der kleinste Faktor. Ein längeres oder zu dünnes Kabel hat einen höheren ohmschen Widerstand ($R$). Nach der Formel $P = I^2 cdot R$ entsteht dort Verlustwärme. Bei 11 kW und 10 Metern Kabel sind das aber meist nur wenige Watt, die im Vergleich zu den Umwandlungsverlusten des Autos (Hunderte Watt) kaum ins Gewicht fallen. Wichtiger ist hier die Sicherheit (Vermeidung von Kabelbrand) als die finanzielle Einsparung.

Was ist mit DC-Laden (Schnellladen)? Gibt es da keine Verluste?

Doch, aber sie verlagern sich. Beim DC-Laden (Direct Current) sitzt der Gleichrichter in der Ladesäule, nicht im Auto. Du bezahlst an der Säule meist die DC-Menge, die ins Auto fließt (je nach Eichrecht). Aber: Beim Schnellladen wird der Akku sehr heiß. Die Thermomanagement-Systeme des Autos müssen extrem kühlen (Klimakompressor läuft auf Hochtouren). Dieser Energieverbrauch kommt oft aus der Säule. Zwar hast du keine Wandlungsverluste im Auto, aber hohe Konditionierungsverluste. Finanziell ist AC-Laden zuhause (trotz Verlusten) meist günstiger als DC-Laden unterwegs, einfach wegen des Strompreis-Unterschieds.

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